12.07.2007Peugeot Citroën oder Renault
Als die Marketingstrategen in Frankreichs Autoindustrie vor wenigen Jahren darauf kamen, dass das SUV- bzw. Geländewagen-Segment nicht nur jenseits des Atlantiks Käufer in Scharen anlockt, war guter Rat teuer. Erschwerend in dieser Situation war die Tatsache, dass alle drei Franzosen dem vorab in den Alpenländern stark gefragten allradgetriebenen Pw mehr oder weniger die kalte Schulter zeigten. Aber ganz ohne SUV-Erfahrung sind die Franzosen nicht. Sei dies der Renault Scénic RX4 (2000 bis 2003). Oder sei dies der Ur-SUV, der auf Offroad getrimmte Matra-Simca Rancho (später Talbot) mit Vorderradantrieb, der nach nur 56500 Exemplaren und fünf Jahren Bauzeit 1983 dem ebenfalls von Matra entwickelten Renault Espace Platz machte. Und exakt im Segment der Minivans feierten und feiern die Franzosen heute noch sehr grosse Verkaufserfolge.
Im Windschatten der Minivan-Euphorie etablierten sich aber peu à peu die trendigen SUV. Gemäss PSA-Marktstudien steht der SUV-Marktanteil europaweit inzwischen auf 8%, höchste Zeit also, ebenfalls ins Segment vorzustossen. Renault folgt seinen heimischen Kontrahenten in Kürze mit dem Koleos, einem SUV koreanischer Provenienz (Samsung).
Peugeot-Citroën seinerseits hat für das SUV-Duo 4007 und C-Crosser mit Mitsubishi kooperiert. Nach ersten Gesprächen vor vier Jahren wurden im Sommer 2005 die entsprechenden Verträge unterzeichnet. Auf der Basis des Outlander (zweite Serie) wurden in der Folge stilistische Ableitungen in markentypischem Outfit geschaffen. Das totale Produktionsvolumen beziffert sich auf jährlich 92000 Einheiten, 52000 beansprucht Mitsubishi für den Outlander, den Rest teilen sich Citroën und Peugeot.
Zwischen dem rein japanischen und den europäisierten Modellen gibt es in der Motorisierung eine wesentliche Differenz. Der Outlander hat fürs Erste den VW-Diesel (140 PS) unter der Haube das PSA-Duo startet mit dem hauseigenen 2.2-HDi (156 PS), der in Kürze auch beim Outlander Verwendung finden wird. Im Gegenzug wird der 2.4-Benziner (170 PS) von Mitsubishi auch im 4007 bzw. C-Crosser lieferbar sein.
Für Europa stellt ein moderner, per Partikelfilter gereinigter Turbodiesel im SUV-Segment das Nonplusultra dar, schon rein wegen seiner sprichwörtlichen Genügsamkeit und der schieren Drehmomententwicklung. Das franko-japanische Doppel ist denn auch mit dem PSA-Turbodiesel in jeder Hinsicht bestens gerüstet. Der HDi gefällt durch angenehm kultivierte Arbeitsweise und überzeugendem Antritt aus dem Drehzahlkeller. Ideal im Zusammenspiel mit dem mühelos zu schaltenden 6-Gang-Getriebe. Ob auf Asphalt oder unbefestigten Strassen, das Antriebsaggregat macht in allen Lebenslagen eine gute Figur. Auch für leichten Geländeritte ist die SUV-Konstruktion zu haben, zum harten Offroader fehlt aber auch die Geländereduktion. Temperament (10 s für 0 bis 100) und Verbrauch (Euromix: 7,2 L/100 km) können sich im einschlägigen Konkurrenzumfeld sehen lassen.
Punkto Komfort und Fahreigenschaften bewegen sich alle drei auf hohem Niveau. Die Franzosen wählten für ihr Duo ein anderes Setting, dies mit Rücksicht auf die spezifischen Eigenheiten der Michelin-Bereifung. Und an der Hinterachse sind die Stossdämpfer nicht koaxial, sondern ausserhalb der Schraubenfedern separat abgestützt. Eine weitere Modifikation betrifft die Bremsanlage, vorn finden sich Doppelkolbenzangen.
Im Gegensatz zum Mitsubishi, der als 5- oder 7-Sitzer angeboten wird, gibt es den Citroën und den Peugeot nur in Vollmontur mit den in der dritten Reihe klappbaren Notsitzchen. Das Handling mittels dreier Zuglaschen bedarf zumindest einer Instruktion.
Während man im Interieur die jeweilige Markenzugehörigkeit am Markenemblem auf dem Lenkrad erkennt, wurde die Optik vor allem im Frontbereich stärker variiert (vgl. Fotos unten). Beide Franzosen warten mit markanten und eigenständigen Bugpartien auf: Kotflügel, Hauben und Stossfänger sind mit dem Japaner nicht austauschbar. Auch im Heckbereich gibt es kleine Differenzen an Zierelementen und Rückleuchten.
Ob sich der erhoffte Erfolg für Citroën und Peugeot einstellt, werden die Verkaufszahlen schon bald weisen. Der C-Crosser startet in der Schweiz am 20. Juli, der 4007 folgt Mitte September. Sie kosten auf den Franken gleich viel.
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